Portraits der Vielfalt – das Tiroler Bergschaf

Steile Wände, schroffe Felsen. Kühle Nächte und karge Wiesen. Hier ist Michael Wilhelm zu Hause. Das abgelegene Windachtal in den Ötztaler Alpen ist seine Welt. Hier, rund um die Windachalm, züchtet er Tuxer Rinder, Yaks und Zackelschafe und hütet seine Herden. Eine dieser Herden war eine kleine Schar junger Schafe. Ein etwas eigenwilliges Grüppchen wohlbemerkt.

Wenn man an Schafherden denkt, hat man in erster Linie große Gruppen gleicher Tiere vor Augen. Hin und wieder vielleicht ein andersfärbiges darunter. Das „schwarze Schaf“ sozusagen. Michaels kleine Herde ist erfrischend anders. Sie wirkt wie eine alpine Patchwork Familie. Ein zusammengewürfelter Haufen unterschiedlicher Rassen, darunter ein Tiroler Steinschaf, ein Kärntner Brillenschaf, ein Merino, ein zotteliges Zackelschaf und noch ein paar andere. Allerdings waren sie alles andere als zufällig zusammengewürfelt. Vielmehr war es eine Versuchsherde in einem von langer Hand geplanten Experiment, in dem der Frage nachgegangen werden sollte, ob unterschiedliche Schafrassen auch unterschiedlich schmecken.

Es macht jedenfalls Spaß, diese kleine Geschichte zu erzählen, denn der absolute Sieger im Geschmackstest ist – Trommelwirbel – das Tiroler Bergschaf. Almprofis beschreiben das Schaf so: Das Tiroler Bergschaf ist ein mittelgroßes bis großes Gebirgsschaf mit schmalem, von der Stirn bis zum Nacken durchgehend bewolltem, hornlosem Kopf mit langen, flachen Hängeohren, die bis zum Mundwinkel reichen. Gut verwachsene Körperteile, mit tiefem Rumpf, gewölbter Rippe, langem, elastischem Rücken, kompakter Schulter und leichtfallendem Becken. Korrekte Beinstellung mit straffer Fessel und geschlossener Klaue. Die Rasse wird reinweiß gezüchtet und sollte keine Pigmente aufweisen.

Mittlerweile gehört es – teils unter anderen Namen – zu den verbreitetsten Schafrassen des Landes. Seinen Ursprung hat das Bergschaf aber auf den Almweiden Tirols.